Montag, 13. Juni 2016

Schöner Schenken...

Da mein Fortpflanzungszyklus offenbar dem gewisser Tierarten folgt, die nur einmal im Jahr offen für die Vermehrung sind, häufen sich ja bei uns die Kindergeburtstage so ein bisschen. Mitte Mai geht "es" los, und schlängelt sich dann so durch den Sommer. Kaum wird es wieder kühler, fährt der Geburtstagszug erschöpft schnaufend in die Garage, wo er dann steht, bis die Tage erneut annehmbar länger werden.

Nun macht Schenken ja Freude. Also, zumindest sollte es das tunlichst. Meine Erfahrung ist ja eher: Freude macht das Schenken in dem Moment, in dem das Einwickelpapier abgerissen wird und alles stimmt.

Ein Mami-Erfolg! Alles richtig gemacht, Kind ist glücklich, tief durchatmen bis zum nächsten Versuch.

Dabei hat natürlich jedes Kind seine ganz persönlichen Eigenarten.

Das Kindergeburtstagsjahr beginnt Ende Mai mit L, dem Starken. Wichtigste Herausforderung ist bei ihm: acht geben, dass er sich nicht NUR Kuscheltiere wünscht, denn das Zimmer ist ja eh schon zum Zerplatzen voll. Falls das Kind mal wenig Wünsche hat, weiß ich mir meistens doch zu helfen: niedlicher Plüsch und Gruselbücher gehen da IMMER. Gefährlicher ist es, wenn er kurz vor dem Geburtstag Kataloge der einschlägigen Spielwarenversender in die Hände bekommt- dann folgt ein Wunschzettel, der eher einem Bestellformular ähnelt, komplett mit Alternativen, Nummern und Preisen.

Spätestens da ist Muttis Freude dann vorbei: wie ein schlecht bezahlter Spielzeug-Discount-Mitarbeiter will ich mich beim Schenken nämlich ganz und gar nicht fühlen. Also sind mir Jahre wie dieses dann doch lieber: Kind ist wunschlos glücklich, freut sich dann aber riesig über die mannshohe Umzugskiste Kuscheltiere und die halbe Tonne Gruselbücher- und den kleinen Geldschein vom Onkel. Alles fein.

Gerade arbeite ich an N, dem Rosaroten, und der- ist von allen Kindern am unkompliziertesten, was das Beschenken angeht. Vermutlich liegt das vor allem daran, dass er als Jüngster am häufigsten mit mir zusammen ist, was mir die Möglichkeit gibt, das ganze Jahr über Interessen und Hätte-ich-so-gerns zu sammeln. So wie gestern, als N abends sehnsüchtig vor meiner Aufkleberkiste stand, wohl wissend, dass er da nicht ran darf, weil ich damit meine Fotoalben gestalte...

Note to self: Zeit, N einen eigenen Sticker-Vorrat zukommen zu lassen. Auch ansonsten ist er ähnlich easy wie sein Bruder: kreativ geht immer, dieses Jahr konzentriere ich mich da auf den Bereich der Acrylmalerei. Bücher mit Klappen kommen auch immer gut, Themen... sind schnell gefunden: eins über die Uhr (weil's damit noch hapert), eins über Gefühle (weil gerade die Hausaufgaben N immer wieder in unverhältnismäßige Verzweiflung stürzen, da er grundsätzlich denkt, er kann's nicht, obwohl er's dann doch...) und weil's so schön ist noch eins über die Erde (weil fremde Kulturen gerade der letzte Schrei in Ns Interessenspektrum sind). Ein Kuscheltier gibt's auch noch, weil er ja mit seinem Bruder an der "100xPlüsch"-Marke arbeitet, dann noch Knetsand und Sandspielzeug und Badekram und.... stop!!! Ja ja, bei N bin ich es immer, die sich am Ende zusammenreißen muss.

N Geschenke zu kaufen ist meine kleine Erholungspause, der mütterliche Schulterklopfer des Glücks, das erfrischende "Ich habe alles richtig gemacht" auf dem Weg zum Ende des Augustes, und damit zum...

DOPPELHAMMER.

Denn R und T, meine beiden wunderbaren weiblichen Nachkommen, sind bei Geschenken alles andere als einfach. Dabei gibt es drei Varianten: entweder, die beiden wünschen sich unglaublichen Schund... sie wissen schon, die Sachen die häßlich, teuer und sofort kaputt sind und gerne auf den Rückseiten einschlägiger Kinder- und Jugendmagazine angeboten werden- wie der aufblasbare Winx-Sitzsack, der eine halbe Stunde hielt, bevor er dann platzte, die Hello-Kitty-Bettwäsche, die auch nach zehnmal Waschen nicht hautfreundlich wurde, oder diese gedrechselten Strohhalme aus Weichplastik, die selbst mit dem Einsatz patentierter Raketentechnik nicht zu reinigen sind... sowas halt. Die Alternative ist nicht unbedingt schöner, sie ahnen es bereits: genau. Die Bestellformulare, die mir das Gefühl geben, ich wäre bei irgendwem angestellt, Zahlen in Computer zu tippen. Variante drei: ich wünsch' mir nix, überrasch' mich doch.

Oh Gott. Der Moment, in dem meine Gesichtsfarbe nach Süden entkommt.

Überraschen? R und T? Da nehme ich lieber die Wurzelbehandlung... das Problem hier ist nämlich: einfallen würde mir was, klar. R ist die Kreative mit ihrer Vorliebe für Papier-ChiChi und gut zu verbastelnden Kleinkram in großen Dosen, sowie einer gewissen Faszination für dicke Wälzer über dunkle Perioden unserer Historie, T die noch nicht einmal Zwölfjährige, die Gesichtsmasken und Make Up liebt, sowie natürlich Klamotten und Bücher über Pubertät und den "wie bin ich ein richtiges Mädchen"- Komplex... da ließe sich durchaus drauf aufbauen.

ABER...

Wahrscheinlichkeit, dass Mama ohne jegliche Vorgaben GENAU das Richtige besorgt und es zur gewünschten Riesenfreude am Geburtstag kommt, nach Kindern sortiert:
N: 99%
L: 80%
R: ~25%
T: 10-15% (sie würde sich das nie anmerken lassen, aber ich merke es TROTZDEM. Punkt.)

Ich habe nie wirklich herausgefunden, woran das liegt, vermute aber das Alter: damals, zu Grundschulzeiten, war ich auch bei den Mädchen besser. Irgendwie waren die Dinge damals weniger spezifisch, nicht so dermaßen kompliziert. Was in mir jetzt schon die Angst davor schürt, in ein paar Jahren Geschenke shoppen zu müssen für meine pubertierenden Jungs... denn wenn ich bei meinen Geschlechtsgenossinnen schon dermaßen ablose, was blüht mir erst bei meinen beiden Mini-Männern?

T, der kleine Sonnenschein, fragte mich kürzlich, ob wir es schlimm fänden, ihr die Kohle einfach ganz direkt zu geben, sie würde dafür gern den halben Secondhand-Laden kaufen, und unser Geschmack... naja, der sei echt total cool für unser Alter, aber sie wäre halt nicht unser Alter, und daher... Scheinchen okay?

Ganz ehrlich: ich überlege noch. Die Versuchung? Ist da.

Foto von Pixabay


Montag, 15. Februar 2016

Ich bin ein UHU!!!

Nein, ich meine nicht, dass mir Federn gewachsen sind in meiner langen Abwesenheit von diesem Blog (schäm)... stattdessen habe ich es ENDLICH geschafft: am Mittwoch vergangener Woche zeigte die Waage unter 100 kg an.


Die Woche, die diesem Großereignis vorausging, war allerdings hart: weil ich das mit dem Eiweiß noch immer nicht so 100% hinbekomme (Ich bin immer noch auf unter 800 Kalorien am Tag) habe ich nach einer zweiwöchigen krankheitsbedingten Trainingspause bei Wiederaufnahme meiner Übungen prompt ordentlich Wasser eingelagert- und kam und kam einfach nicht unter die magische Hunderter-Marke. Frust pur. Mittlerweile wiege ich 98,9, was noch einen weiteren angenehmen Nebeneffekt hat: zum ersten Mal seit einer Ewigkeit ist mein BMI unter 30... und das bedeutet, ich bin nicht mehr "adipös", sondern nur noch "übergewichtig". Nun fehlen mir noch etwa 17 kg, um unter die 25 und damit ins Normalgewicht zu kommen... auf geht's. Insgesamt 30 kg fehlen zum Idealgewicht... und, jawoll: das schaffe ich auch noch.

Am Freitag war dann auch endlich mein heiß ersehntes Print-Exemplar von "Fettlogik Überwinden" in der Post...


Passte einwandfrei zum Thema, ich habe gleich angefangen, das Buch NOCHMAL zu lesen- und natürlich wie eine Besessene die Highlights anzustreichen. Danke, Nadja, ohne Dein Buch hätte ich das hier NIE geschafft! Bei den unzähligen Abnehm-Diskussionen möchte ich mittlerweile am liebsten gar nichts mehr sagen außer: "Lies' das Buch- dann reden wir weiter!"
Dennoch habe ich mir das Buch "Die Fettlöserin" von Nicole Jäger in meiner getreuen Bücherei vorbestellt... ich habe schon viel darüber gehört (und ehrlich gesagt nicht viel Überzeugendes), kann aber schlecht darüber schreiben, ohne es gelesen zu haben. Ganz besonders nicht, nachdem ich mich immer über Rezensenten echauffiert habe, die "Fettlogik nicht lesen müssen, um zu wissen, dass es schlecht ist!". Also lese ich das Buch... auch wenn ich schon weiß, dass Frau Jäger gegen das Kalorienzählen ist und das Märchen vom Hungerstoffwechsel eifrig aufkocht. Ich schreibe dann meine Meinung über das Buch NACH der Lektüre.

Hier übrigens meine aktuelle Kurve, mit einem Blick auf den "grünen Bereich", zu dem ich unablässig hinstrebe...


Als ich angefangen habe, Gewicht zu verlieren, habe ich immer auf die 90 kg geschielt... weil ich so leicht schon 17 Jahre lang nicht mehr war, und weil ich mir vorgestellt habe, dass ich zumindest dann eher schlank als dick aussehen würde. Und nun ist zumindest dieses kleine Etappenziel gar nicht mehr soooooo weit entfernt... gleich um die Ecke, eigentlich.
Ich weiß, ich klinge wie eine kaputte Platte, aber ich kann nicht oft genug sagen, wieviel davon "Fettlogik überwinden" geschuldet ist. Ich habe mich mein ganzes Leben lang für mein Übergewicht geschämt... und es hat mich extrem beeinflusst. Nun glaube ich zum ersten Mal tatsächlich, dass ich nochmal schlank sein kann- das Gefühl ist gigantisch. Ich bin in Jubelstimmung, jeden Tag.
Wer noch nicht hat- Link folgen: "Fettlogik Überwinden" von Dr. Nadja Hermann
Für mich hat dieses Buch echt gewichtsmäßig alles verändert... vor allem, weil die Mythen "Hungerstoffwechsel" und "Jojo-Effekt" nun endlich vom Tisch sind. Die beiden Aspekte, die mir immer den Eindruck vermittelt haben, Abnehmen sei ein schmaler Grat, auf dem man in Sekundenschnelle mal danebentritt- und schon ist alles noch viel schlimmer als vorher.

Und nun- bin ich ein UHU. Einfach so.

Und ein Bericht zum Schluss: bisher hat noch niemand, der vorher nichts von meinen Abnehmplänen wusste, den Gewichtsverlust bemerkt- ich habe also noch keine "Komplimente bekommen". Mein Mann ist der Meinung, das liege nur an den dicken Winterklamotten, aber wer weiß- gut, dass ich das hier nur für mich tue...


Montag, 4. Januar 2016

Vorher- Nachher (Episode 1)

Die Reise begann im Sommer 2015, ohne, dass ich es wusste. Ich war mittlerweile vierzig Jahre alt, und wog nach dem letzten gescheiterten Diätversuch wieder 140 kg (bei einer Körpergröße von 1,82m). Meine Füße taten mir weh, manchmal humpelte ich bei jedem Schritten. Treppen waren meine Feinde, und mein Mann übernahm das Spielen mit den lieben Kleinen- ich war dazu schlicht zu fertig. Zu allem Überfluss konnte ich mich selbst nicht mehr sehen: Spiegel, Fotos, mir hinterhältig auflauernde Schaufensterscheiben... ich vermied es, mich selbst anzusehen.

Gerade hatte ich das Buch "Intuitiv Abnehmen" gelesen, war ein paar Wochen lang guter Dinge gewesen- und hatte dann eingesehen, dass es nicht klappte. Mal wieder nicht. Da gab ich auf. Schlanksein war einfach nichts für mich, es ging nicht. Ich würde so bleiben, wie ich war, und musste das Beste daraus machen. Ich beschäftigte mich mit Mode für Dicke, änderte meinen Stil, akzeptierte zerknirscht, dass ich zum Dicksein gemacht war. Rebellion brachte nichts.

Anfang September tauchte unter meinen persönlichen Empfehlungen bei Amazon ein E-Book auf: "Fettlogik Überwinden" von Dr. Nadja Hermann. Ich hatte mein Leben als Dicke zwar akzeptiert, kaufte das Buch aber trotzdem- maßgeblich waren zwei Gründe: das Buch war günstig. Und hatte viele Seiten (und diese Kombination ist bei Büchern seit jeher unwiderstehlich für mich). Das würde ich eben noch lesen, und dann war gut. Vier Wochen lang lag das Buch auf Halde, dann fand ich mich gestrandet an einer Haltestelle im Nirgendwo wieder, allein mit meinem Smartphone- und auf der Kindle-App dieses Buch. Ich begann zu lesen.

Seitdem sind drei Monate vergangen. Drei Monate, in denen ich meine Hoffnung und meinen Mut wiederfand, das "Ich kann nicht"- Mimimi aus meinem repertoire strich, zum ersten Mal in meinem Leben ein Fitnessstudio von innen sah, ohne Schmerzen laufen lernte und herausfand, dass ich groß träumen darf. Warum nur "einmal noch unter hundert"? Warum nicht "Normalgewicht" oder gar (Schreck lass nach!) IDEALGEWICHT? Drei Monate, in denen ich 30 kg abnahm.

Ich bin noch nicht am Ende... noch lange nicht. 30 weitere kg fehlen noch bis zum Normalgewicht, 10 weitere zum Idealgewicht... die magische 70, die Hälfte meines Spitzengewichtes. Dank Dr. Hermann glaube ich wieder an mich- und daran, dass ich das tatsächlich schaffen kann. Und darum schafft mein Gewicht es zur Zeit immer wieder auf dieses Blog- weil's halt zu meinem Leben gehört, wie alles andere im Leben auch.

Zur Veranschaulichung- hier mein erstes Vorher-Nachher.


Sonntag, 3. Januar 2016

Prost Neujahr- los geht's...

Jedes Jahr das gleiche: spätestens am 2. Januar ist die Party vorbei, und man bleibt zurück mit einigermaßen schwerem Kopf und einer Mischung aus Holiday Hangover und Ratlosigkeit im Herzen. Und, Nein, mit Alkohol hat das alles rein gar nichts zu tun- wir haben Kinder, wo denken Sie hin?

Nein: nun muss irgendwann der innere Schweinehund wieder attackiert werden, die Schonzeit ist vorbei. Nächste Woche geht die Schule wieder los- schluck. Und während ein Teil von uns sich fast schon ein bisschen auf die von außen vorgegebene Struktur freut, mag der andere noch nicht loslassen.

Bei uns ist es in diesen Tagen wunderbar ruhig. Das Wetter draußen ist viel zu kalt, aber wen stört das wenn man drinnen kuscheln und Filme anschauen kann...


Mit der großen R haben wir in den vergangenen Tagen die "Fluch der Karibik"-Filme angeschaut, es macht Spaß mit ihr, und sie ist mit einer Begeisterung dabei, die mich auch wieder ansteckt. Es gibt so viel zu entdecken für sie im Moment, die Erwachsenenwelt ist noch fern und doch schon so nah, das ist spannend und gleichzeitig ein wenig beängstigend, weil sie so ein großes Päckchen mit sich herumträgt im Moment. Nebenbei eine der Baustellen, an die wir jetzt ran müssen.

Was dieses Jahr im Augenblick noch so furchterregend macht ist die riesengroße Mauer aus Unsicherheit, die es umgibt und unserem Blick entzieht- wie wird das weitergehen?

R's Schule. E's Job. Und meiner? Zum ersten Mal seit fast 15 Jahren suche ich Arbeit, und von Zeit zu Zeit erzeugt das schmerzhafte Gedankenschleifen in meinem Kopf- ich kann das gar nicht. Oder doch? Wie kommt man in einen geregelten Arbeitsalltag nach all diesen Jahren? Als was? Und woher weiß ich, ob DAS dann auch das Richtige ist oder wenigstens okay für den Moment? Ach, alles nicht so einfach, wenn man am 3. Januar auf ein fast unbenutztes Jahr schaut und gar nicht weiß, ob...

Da bleibt nur ein bisschen... Nein, eine große Portion Vertrauen und das, was ich mir für dieses Jahr eh vorgenommen hatte: Leben im Moment. Jedenfalls versuchen, so gut ein Zukunftspaniker wie ich das eben kann. Heute ist Kälte, aber bald kommt der Frühling- und wir hier? Wir finden schon noch unseren Platz. Um uns herum gibt es ja genug davon.




Mittwoch, 11. November 2015

Das Martinsfest ist jetzt nicht so meins...


Damals, als wir noch jung waren, der E und ich, frisch verliebt und beseelt von einer erhofften kinderreichen Zukunft, da sah das immer so gemütlich aus: die kleinen Kinder mit ihren Laternen, die am 11. November in Scharen durch die Berliner Straßen zogen, lauthals die guten alten Lichterfest-Songs schmetternd... das war doch schön. Das war doch zu herzig. Das wollten wir auch.

Für uns war klar: wenn wir einmal Eltern sind, werden wir das ZELEBRIEREN. Jedes Jahr eine neue Laterne, natürlich handgebastelt. Weckmänner, natürlich selbst gebacken. Rote Wangen und Kinderaugen, die mit den Lampions um die Wette strahlen. Ein Fest für die ganze Familie.


Dann kam die kleine R zur Welt. Und bereits an jenem 11. November nach ihrem ersten Geburtstag ahnte ich: so einfach ist die Sache mit dem Martinsfest nicht. Die Laterne war viel zu schwer. Die Kinder waren alle viel zu LAUT. Es nieselte leicht, was R gar nicht mochte, und es war dunkel, was sie noch sehr viel weniger mochte. Die Folge: an jenem Abend gab es mehr Geschrei als sonst irgendwas, und definitiv kein Geleuchte in unseren Augen.

Leider ging es dann so weiter. St.Martin ist im NOVEMBER. Schietwetter. Herbstmüdigkeit. Eh keine Lust, rauszugehen. Dazu kommt, dass man als Mama und Papa nicht einfach mit entrücktem Lächeln wartet, bis die Kinderchen vorbeigetrudelt sind, und dann auf einen zimtigen Tee nach Hause schwebt. Nein: man ist DABEI. Bis zum bitteren Ende.


Oft hatte sich unsere Laterne schon im Novemberregen aufgelöst, bevor wir überhaupt den Ort des Geschehens erreichten. Immer war es viel zu kalt, dauerte viel zu lange, war mit enorm viel Geschrei verbunden. R war generell nicht gern DRAUSSEN (das war GRUSELIG, und im Grunde denkt sie heute noch so). T hatte stets hysterische Panik um ihre Laterne. L wollte dieselbe gerne durch den Dreck schleifen und war ungehalten, weil er nicht durfte (ich hätte ihn nicht einmal daran gehindert- Lehrerinnen bzw. Kindergärtnerinnen sahen das enger). N schrie eigentlich überhaupt oft. Menschenmengen, Dunkelheit, Singen... you name it. Ging für N alles GAR NICHT. Dazu ein Vati, der arbeiten musste, und eine Mutti, der der erste Teil des Tages eigentlich schon komplett gereicht hatte.

Nein... St.Martin ist nicht mein Fest.


Auch während ich jetzt aus dem Fenster schaue, befallen mich düstere Ahnungen: Nieselregen. Na toll. Aber das ist der Mama-Ehrenkodex: da muss man durch.

Ein Gutes gibt es immerhin: hat mir nicht letztens jemand gesagt, dass man nach dem Martinsfest endlich offiziell über Weihnachten sprechen darf, ohne ein entnervtes Augenrollen zu kassieren? Na denn... lasst uns durch den Regen stolpern, nächste Woche gibt's die große Weihnachtskonferenz...

Mittwoch, 21. Oktober 2015

Jubiläums-Blogstöckchen von "Fettlogik überwinden"

Anlässlich ihres "Normalgewicht- Jubiläums" hat Dr. Nadja Hermann, Autorin des zu Recht viel gelobten Buches "Fettlogik überwinden", zu einer kleinen Umfrage aufgerufen. Und da ich ihr den Mut verdanke, mich seit langem mal wieder auf den Weg zu machen in Richtung Happy BMI, mache ich da natürlich gerne mit.

  1. Wie & Wann bist du auf Fettlogik gestoßen?
Durch einen absoluten Zufall... ich stöberte auf Amazon nach Diätbüchern, eher halbherzig als wirklich entschlossen. Gekauft habe ich das Buch, weil ich es nicht zu teuer fand, vor allem im Verhältnis zur Seitenzahl. Gelesen habe ich es dann zum ersten Mal Mitte September- diesen Jahres.

    2.   Hattest du vorher irgendwelche Erfahrungen mit Gewichtsveränderungen (Diäten o.ä.) und wie waren diese?

Unzählige. Ich habe etliche Male abgenommen, auch sehr, sehr viel- und mir dann alles innerhalb kürzester Zeit wieder draufgefuttert. Seufz. Ich weiß, wie man abnimmt. Ich weiß, warum ich dick bin, und ich weiß auch ganz genau, was ich machen muss, um das zu ändern. Und danach? Weiß ich schlagartig nicht mehr, wie es weitergeht. Wieviel darf ich denn nun noch essen? Wieviel ist "normal"? In dieser Phase hat es dann einfach nicht mehr hingehauen, und ruckzuck war alles wieder da.

     3.   Wie ging es dir beim Lesen? Hat sich durchs Lesen etwas verändert, und wenn ja, was?

Zunächst habe ich diese Geschichte mit dem "Hungermodus" tatsächlich geglaubt. Dass ich mich während der Diät stark einschränken, und trotzdem danach innerhalb meines Bedarfs einfach mit den Kalorien hochgehen kann, ohne dass davon mein "Stoffwechsel kaputtgeht", war wie eine Befreiung für mich. Noch besser: ich habe es jetzt endlich kapiert. Wie's nach dem Abnehmen weitergeht, meine ich. Ich habe verstanden, dass ich mit Idealgewicht glatte 900 Kalorien weniger verbrauche als zu Zeiten meines Spitzengewichts... kein Wunder, dass ich da nicht einfach so weiterspachteln kann wie vorher. Gleichzeitig gibt mir das Kalorienzählen eine objektive Methode, um abzuschätzen, ob ich auf dem richtigen Weg bin. Das Zählen an sich macht mir rein gar nichts aus, mit FddB finde ich das Dokumentieren kinderleicht und kann mir durchaus vorstellen, das dauerhaft zu machen. Für mich passt hier endlich mal alles perfekt!

    4.     Bei welchen Kapitel(überschrifte)n warst du skeptisch, bzw. von welchen Fettlogiken warst du bisher überzeugt? Wie siehst du es jetzt?

Ich war bisher ziemlich überzeugt vom Hungerstoffwechsel- was dazu führte, dass ich nie so genau wusste, wie viel oder wie wenig ich denn nun eigentlich essen durfte, wenn ich abnehmen wollte. Und: ich hatte mich ganz bequem damit eingerichtet, dass es Menschen gibt (mich eingeschlossen), die für dieses mystische "Idealgewicht" einfach nicht gemacht sind. Deshalb dachte ich immer: unter 100 ist ja schon ganz gut für mich. Mittlerweile habe ich das revidiert: wieso sollten 100 kg genug für mich sein? Warum sollte ausgerechnet ich den magischen BMI 21 nicht schaffen können? Aber, ganz ehrlich: die Tatsache, dass Dr. Hermann selbst von 150 auf 63 kg abgespeckt hat, spielt dabei eine große Rolle. Es motiviert mich ungemein. Und wenn die 70 kg (ich bin 1,82 m groß, darf also ein paar Kilo mehr haben) mal wieder sooooo weit weg scheinen, denke ich: sie hat das geschafft, du kannst das auch. Und im Moment sind die 70 kg noch seeeeehr weit weg....

    5.      Welches Kapitel würdest du ergänzen?

Da ich mit dem Gewicht halten immer am meisten Probleme hatte, würde ich darüber gern mehr lesen- dennoch: ich finde das Buch perfekt, wie es ist, also ist das Jammern auf hohem Niveau.

    6.      Was war die letzte Fettlogik, der du begegnet bist, bei dir oder bei anderen? Wie hast du reagiert?

Immer und immer wieder dem Hungerstoffwechsel- bei praktisch jedem, der etwas von meinem Abnehmvorhaben mitbekommt. Ich diskutiere da nicht lange, sondern verweise auf das Buch... da steht alles hundertmal besser drin, als ich es je sagen könnte. Aber wenn ich für jedes "Du darfst aber nicht zu wenig essen, sonst machst du dir den Stoffwechsel kaputt" einen Euro bekäme, wäre ich schon steinreich.

    7.      Hatte Fettlogik Einfluss auf deine Körperwahrnehmung und/oder die Wahrnehmung deiner Umwelt?

Ich habe aufgehört, das Gewicht anderer zu großzügig zu beurteilen. Früher habe ich Leuten, die mir eröffneten, abnehmen zu wollen, gerne mal ein herzhaftes: "Aber wo willst du denn abnehmen??? Du bist doch gar nicht zu dick!!!" entgegengeschmettert. Jetzt höre ich genauer hin und akzeptiere eher, wie diese Person sich mit ihrem Gewicht fühlt. Das Idealgewicht war für mich immer etwas Unerreichbares... jetzt akzeptiere ich es erstmals als reale Alternative, und das fühlt sich ganz neu an.

   8.       Wenn sich Dein Gewicht verändert hat: Welche Veränderungen bemerkst du an dir?

Am 24.9.2015 habe ich zum ersten Mal Kalorien gezählt. Damals wog ich gut 140 kg. jetzt sind es noch 126 kg. Da ist sicher einiges Wasser, aber momentan lebe ich von 600 Kcal am Tag, also ist da wohl auch einiges Fett. Trotz meiner nicht ganz so tollen Füße (die haben unter all dem Gewicht arg gelitten) geht erstaunlich viel Sport: heute bin ich mit T einen Kilometer geschwommen und habe danach 45 Minuten Aquarobic gemacht (so richtig mit Kurs). Zum Geburtstag nächste Woche kaufe ich mir einen Crosstrainer. Reaktionen gibt es noch keine (siehe meinen letzten Blogartikel), man sieht einfach noch nicht deutlich genug etwas... kommt noch. Ganz sicher.

   9.        Vorher-Nachher-Foto?

Veröffentliche ich bestimmt noch.... ist aber noch zu früh. 


Meine FddB-Kurve (bisher):




Ich schaff das!!!



Du wirst viele KOMPLIMENTE bekommen...

... es gibt da ja diesen ehrlich gesagt eher bedrohlich wirkenden Werbespot unseres Lieblings-Drill-Instructors Detlef D. Soost...



Und da ich nun gerade so schön bei meiner letzten Diät bin (diesmal schaffe ich es!!! Ich weiß es!!! Ich habe Dr. Nadja Hermann gelesen!!!), frage ich mich da ganz unschuldig... viele Komplimente? Nach 1 bis 2 Wochen???

Ich zähle nun seit etwa vier Wochen Kalorien und habe bisher 12 kg verloren. Aber Komplimente? Fehlanzeige. Ich bin momentan noch in jenem undankbaren Stadium, in dem Menschen, die von meiner Ernährungsumstellung erfahren, mich eher abschätzig mustern, nach dem Motto: "DIE nimmt ab? Seit heute morgen, oder was?"

Das ist der Hauptgrund, warum ich außerhalb dieses kleinen, intimen Blogs tendenziell niemandem etwas von meinen Bemühungen erzähle- es kommt absolut nie irgendetwas Gutes dabei heraus. Aber dass im Moment noch niemand bemerkt, dass da etwas weniger geworden ist, deckt sich komplett mit vergangenen Erfahrungen: als ich 2013 abnahm, verlor ich in 6 Monaten über 30 kg. Kein einziges Kompliment. Stattdessen musste ich in einer äußerst demütigenden Aktion meiner Schwiegermutter einen fotografischen Vorher-Nachher-Beweis präsentieren, weil sie meiner Tochter nicht glauben wollte, dass ich abgenommen hatte.

Das Problem: auch nach 30 kg Gewichtsabnahme war ich damals alles andere als schlank. Ich war einfach nur etwas weniger dick, und das fiel niemandem auf. Auch jetzt bin ich mit 12 kg minus einfach nur etwas weniger dick... und doch immer noch ziemlich dolle. Den meisten Menschen fällt eine Gewichtsabnahme aber erst dann auf, wenn man in die nächst-niedrigere (oder im schlechteren Fall auch höhere) Körperform übergeht: die A, die hatte ich doch als "dick" abgespeichert, und jetzt plötzlich ist die nicht mehr....???

Das Dumme: zwischen meinem jetzigen Gewicht und "nicht mehr dick" liegen gut und gerne noch 38 Kilo... das sind 266.000 Kalorien. Und mein Zielgewicht ist sogar 58 kg weit weg. Ich fürchte, da wird noch die ein oder andere Woche vergehen, bevor ich "viele Komplimente" bekomme, Detlef...

Aber: nicht aufgeben. Ich trage jetzt immer eine kleine Schachtel Pralinen mit mir herum. "Danke" steht darauf. Und der erste, der etwas sagt, bekommt die.

Mal sehen, wann das sein wird...

Dienstag, 20. Oktober 2015

Ich will auf den Boden...

Eigentlich lebe ich gern in der Stadt. Ich mag die Geräusche meiner Straße, die vorbeirauschenden Busse und Autos, die anonymen Menschenmengen, die Nähe des Lebens, die man hier überall spürt. Trotzdem: immer, wenn ich mich selbst verliere, kurz die Richtung verliere und ohne Orientierung in mir herumirre, sehne ich mich plötzlich nach mehr Draußen, mehr Unmittelbarkeit, nach dem Boden.

Dann googele ich an einsamen Abenden nach Erdgeschosswohnungen, die im besten Fall mit dem Äußeren der Welt verschwimmen und mich direkt dorthin leiten, wo ich irgendwie sein will, und mich doch nie hintraue. Es wäre doch schön, ganz unten zu wohnen, vielleicht sogar einen Garten zu haben... Seufz.


In solchen Zeiten finde ich auch diese Mini- Häuser ganz toll, die in den USA gerade so in sind... es muss schön sein, das Zuhause einfach mitnehmen zu können, fast wie eine Schnecke ihr Haus auf dem Rücken. Leider ist das nicht so einfach: wir sind nicht zu zweit, sondern zu sechst, und dem eigenen Alltag wegzulaufen ist gar nicht so einfach. 

Trotzdem, träumen darf man- von der einsamen Südseeinsel, auf der niemanden interessiert, ob die Kinder in die Schule gehen. Von einem Leben als Schriftsteller, mit großartigen Ideen und ohne Schreibblockade oder Minderwertigkeitskomplex. MP3-Player auf, Augen zu, dann kann ich die salzige Karibik-Luft fast schmecken.

Derweil ist hier Herbst, wir haben fast eine ganze Woche voller Regentage hinter uns, und da E gerade in Berlin weilt, ist unser Alltag eher spannungsarm. Die großen Ferien-Highlights machen wir dann doch lieber, wenn wir alle zusammen sind. 

Immerhin: da Ferien sind, kann ich mich immerhin morgens nochmal umdrehen, und bevor ich die Augen öffne träume ich mich noch schnell in einen geschickt eingerichteten Zirkuswagen für sechs und eine endlose Reise durch ein sonniges Land...

Fotos von Pixabay

Montag, 19. Oktober 2015

Manchmal wird es plötzlich viel dunkler...

... nein, keine Katastrophen im katastrophalen Sinne. Wir sind alle gesund, und, wie mein Mann neulich sagte, "wir haben uns". Das ist das wichtigste, und daran wird auch nicht gerüttelt.

Dennoch ist da etwas aus den Fugen geraten, und wir kämpfen. Mit der Neuordnung unseres Alltags und unserer Werte. Vor allem aber mit der Neukatalogisierung unseres Drinnen. Wer sind wir eigentlich wirklich, und wo wollen wir hin?

Der Anlass für das Ganze: E's Arbeitsvertrag wird nach dem November nun doch nicht verlängert. Weil es einfach nicht gepasst hat, und weil er Dinge über sich gelernt hat, die ein Umdenken erforderlich machen. Wir sind enttäuscht und auch ein bisschen wütend, obwohl vermutlich niemand etwas dafür kann. Trotzdem: wir sind für diesen Job 350 km durchs Land gezogen, haben uns verändert, gestreckt, unsere Kinder gezwungen, ihre Freunde und Schulen zu verlassen (und das hat gerade der Junior-Chefin gar nicht so besonders gut getan)- und nun? Außer Spesen nichts gewesen, erstmal arbeitslos.

Auch ich muss jetzt nachdenken: ich war vierzehn Jahre lang Hausfrau und Mutter, und habe mit meiner lange zurückliegenden Berufswahl so tief in die Keramik gelangt wie man das eben machen kann. Nun muss etwas vollkommen Neues her, und ich habe keine Ahnung, woher das kommen könnte. Und ein frischgeschlüpftes Frühlingshühnchen bin ich ja nun wahrlich auch nicht.
Alles in allem ist dies nicht die beste Zeit in unserem Leben, und dennoch: wir leben nicht mehr auf dem Land, und das macht alles soviel einfacher. Hier gibt es Möglichkeiten, Anregungen, Ideen, Angriffspunkte.

Wir schaffen das schon, wir finden einen Weg.

Und am Ende bleibt: wir haben uns. Die innere und die äußere Familie, und das ist das Wichtigste.

Dienstag, 6. Oktober 2015

Wochenende in Bildern- 3./4. Oktober 2015

Ein bisschen spät, und leider auch mit weniger Bildern- ich habe immer noch eine Bindehautentzündung und vegetiere hier so vor mich hin. Ich gelobe Besserung!

SAMSTAG

Auf dem Weg in den Park...

Tiere füttern

Spielplatz- und Eiscreme

Jede Menge Klettern

Noch mehr Tiere füttern

Mädels-Selfie


SONNTAG

Gottesdienst...

...zur Einführung der neuen Pfarrerin.

Letzter Öffnungstag des Eiscafes

Hausaufgaben mit großer Schwester








Donnerstag, 1. Oktober 2015

Blogparade: #mydigitalday

Dieser Artikel ist ein Beitrag zur Blogparade von Mama on the rocks mit dem schönen Titel "My Digital Day". Ich habe mich entschlossen, mein Medienverhalten über 24 Stunden aufzuzeichnen, denn, ganz ehrlich: gerade unter der Woche ähnelt sich jeder Tag, das würde rasch mordslangweilig werden.
Hier mein Text:
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Ich gehöre zu ihnen. Ja, ich gebe es zu. Hier. Und heute. Ich bin eine von diesen unverantwortlichen Müttern, die … schluck… Smartphones eigentlich gar nicht so schlimm finden.

Meine Töchter haben jeder eines. Sie sind jetzt dreizehn und elf, und was sie mit ihren Smartphones machen, gefällt mir eigentlich ganz gut. Daddeln kommt eher selten vor. Das Übliche ist hier WhatsApp. Mit ihren Klassenkameraden und ihrer Cousine. Die nicht eben um die Ecke wohnen (ihre Schule ist auch eher weiter weg), und mit denen sie sich trotzdem gern auch mal einfach so austauschen. Nur ganz kurz. Manchmal über süße Jungs, manchmal auch über Freistunden und Klassenarbeiten.

Ist die Deutschhausaufgabe nun zu
morgen, oder zu Freitag?

Ganz ehrlich: ich kann das gut verstehen. Genauso gut finde ich, dass beide mir via WhatsApp kurz melden können, dass jetzt die Schule aus ist, dass sie noch zu einer Freundin gehen, dass sie in der Stadtbücherei versacken. Alles Sachen, die ich als passionierte Glucke nun mal gerne weiß. Und da meine Kinder frei und selbständig mit dem Bus in der Großstadt unterwegs sind, gibt mir das Smartphone die Sicherheit, dass die Kommunikation klappt.

Mein Sohn (jetzt acht Jahre alt) soll nun auch eins bekommen… liegt momentan allerdings auf Halde, weil er gleich mal Papas altmodisches „Übungshandy“ verschmissen hat. Das zweite Uralt-Nokia hat allerdings bisher überlebt, also mal sehen. Schon diese antiken Handy-Dinos findet er ganz toll. Nicht, weil er damit daddeln kann (kannste vergessen), sondern weil er mich anrufen kann, wenn er mir was erzählen will (nur außerhalb der Schulzeit natürlich- in der Schule ist das Handy immer aus). Auch er ruft jeden Tag an, wenn er die Schule verlässt. Und ich weiß dann: hat alles geklappt, ihm geht’s gut. Schönes Gefühl.

Wann fährt denn der Anschlussbus?

Meine Söhne hingegen spielen digital vor allen Dingen Minecraft. Eigentlich immer, wenn wir sie lassen, und das ist wahrlich oft genug. Manchmal frage ich mich, ob ich mit diesem Spiel wirklich in die Keramik gegriffen habe… denn so wie ich das mittlerweile sehe, hat das Ganze enormes Suchtpotential. Klar, Kreativität braucht man, um die Welten zu konstruieren, aber andererseits sorgt manches, was mein Sohn da im Multiplayer-Modus macht, für arges Stirnrunzeln bei E und mir. Und das macht Regeln erforderlich, die zum Glück im Moment ganz gut funktionieren- noch. Ich beobachte die Sache engmaschig und hoffe, damit komme ich hin.

me and my minecraft....

Ich selbst bekam mein erstes Smartphone im Sommer 2014. Vorher hatte ich immer gedacht: brauch‘ ich nicht. Wozu auch? Meine Töchter hatten zu diesem Zeitpunkt längst eins. Ich sah für mich keine Notwendigkeit. Im Sommer 2014 fuhr dann mein Mann mit den Mädels auf eine Jugendfreizeit, L  besuchte zur selben Zeit seinen Cousin auf Usedom, und ich entschloss mich, mit N nach Berlin zu fahren, zu meiner besten Freundin. Und da fühlte ich mich plötzlich schon im Vorfeld nicht wohl dabei, so weit weg zu sein vom Großteil meiner Familie- ohne Möglichkeit, sie zu erreichen. Zudem… Fotos? Mein Mann nahm die große Spiegelreflex mit auf die Freizeit. Und ich?

Es war Zeit: ein Smartphone musste her. Wenige Tage später kam es an, und R verbrachte lange Stunden, mir die Handhabung zu erklären. Seitdem… hat sich einiges getan.

Für viele Dinge ist das Smartphone in meinem Leben unverzichtbar geworden. WhatsApp, über das ich auch mit meinen Eltern und Geschwistern in Verbindung bleibe, Google Maps, dass mich erheblich spontaner in meinen Unternehmungen gemacht hat, die Fotos, die beim Heimkommen über Wlan direkt auf meinen Laptop übertragen werden, Ernährungstagebuch, Social Media, Musik hören, Öffi, das mir immer brav die nächste Busverbindung zeigt…

Ist mittlerweile schon blöd ohne. Vor etwa zwei Wochen habe ich mein Handy verloren. Sieben lange Tage war es verschwunden, dann fand meine Nichte es im Gras vor ihrem Haus… dort war es mir aus der Tasche gefallen. Es funktionierte noch- und ich war selig. Aber die eine Woche ohne… nein, das war gar nicht schön.

Yay!!!! Selfiiiieeess!!!


Und nun- hier kommt #mydigitalday:

6:00- Aufstehen, Gähn, Smartphone her, schnell ein paar Werte ins Ernährungstagebuch eintragen

7:15- Mit den Jungs auf dem Weg zum Bus. Handy ist in meiner Tasche. Und zählt meine Schritte. Ab und zu mache ich ein schnelles Foto.

8:15- Auf dem Rückweg. Ich schaue aus dem Busfenster, während das Smartphone mir sanfte Oboenklänge ins Ohr säuselt.

9:00- Daheim. Smartphone kommt ans Ladekabel, und wird nicht weiter beachtet. Dafür bin ich am Laptop, schreibe Blog-Artikel oder spiele mit meinen Fotos herum.

11:00- N von der Schule abholen, im Bus höre ich wieder Musik.

11:35- Warten vor der Schule- ich lese was auf meiner Kindle-App.

12:00- Heimfahrt. Ich mache ein paar Fotos, mit Instagram.

13:15- Ich bin daheim mit N- der Kindermarathon geht los. L ruft mit seiner alten Gurke an, Die Mädels schreiben auf WhatsApp, dass sie unterwegs sind. Mama antwortet. Und macht dabei schuldbewusst am Laptop immer noch mit ihren Fotos rum, denn eigentlich kein Computer, wenn die Kinder da sind, und der N…

14:00- Mittagessen- meine Dosis vermerke ich gleich im Ernährungstagebuch (App).

15:00- Unterwegs, einkaufen mit den Jungs. Ich mache drei Fotos mit dem Smartphone.

20:00- WhatsApp mit meiner Familie.

22:00- Kinder alle im Bett, ich gehe an mein Laptop und zurück zu meinen FOTOS!!!

1:00- Letzter Blick aufs Ernährungstagebuch zur Motivation, dann… Bett.


Das war’s. So schlimm finde ich das nicht, und auch gar nicht soooo oft. Wenn ich mit anderen Leuten zusammen bin, nehme ich das Handy nur für Fotos heraus, und vielleicht, um mal zu googlen, wann genau „Titanic“ gedreht wurde. Oder so ähnlich. Wenn das Thema im Gespräch halt aufkommt.

Das Einzige, was nicht so klappt, ist die Sache mit dem Laptop. Da erinnert meine Große mich zurecht manchmal dran, dass ich doch eigentlich nicht… also wenn die Kinder da sind…
Recht hat sie, das ist eindeutig mein digitaler Schwachpunkt. Beim Scrapbooking gibt es fast immer irgendetwas zu tun, und dann kann ich schwer die Finger davon lassen. Nur noch dieses Layout halt. Kein gutes Medienvorbild, böse Biene. Pfui.

Meh... Mama und ihre Fotos immer...

Ich versuche mich zu bessern. Insgesamt aber haben wir hier keinen medialen Krieg. Ich finde nicht alle Computerspiele doof, und Smartphones sind nun mal verdammt praktisch. Eine Regel gibt es allerdings, an der wird nicht gerüttelt: ein Smartphone gibt es definitiv für keinen, der nicht flüssig lesen kann. Denn nur zum Daddeln würde ich keines kaufen.


#mydigitalday

Und so sieht übrigens eins meiner 
fertigen Scrapbooking- Layouts aus...

Dienstag, 29. September 2015

Blogparade: #MütteralleinzuHaus

Dies ist meine Reaktion auf die Blogparade von GroßeKöpfe, die ich gerade erst entdeckt habe. Was auch nicht so schlecht ist, denn im Juli WAR ich ja noch gar nicht allein zu Hause, sondern hatte immer zumindest den kleinen N um mich herum. Der geht nun in die Schule, und ich bin tatsächlich morgens mal ganz für mich. Die Parade heißt #MütteralleinzuHaus und hier ist mein Senf dazu:

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Manche Väter haben ein Büro. In manchen Familien haben beide Eltern ein eigenes Zimmer. Habe ich jedenfalls von gehört.

Aber wenn sechs Personen eine Wohnung mieten, muss meistens irgendjemand verzichten. Mein Mann und ich haben keinen eigenen Raum. Dafür haben unsere Mädchen jeweils einen Tanzsaal nur für sich, und die Jungs teilen sich einen- immerhin: sie akzeptieren meinen Wäscheständer in den kühlen Monaten, den ich kunstvoll hinter einem dekorativen Raumteiler verstecke, der ihnen aber dennoch Grundfläche raubt. Immerhin.

Ich kann selten eine Tür hinter mir zumachen, und ich bin gar nicht böse, weil T zur Abwechslung mal nicht verzichten muss und nicht den Kürzeren zieht. Sie ist nämlich sonst immer diejenige, die um des lieben Friedens Willen das kleinere Stück Kuchen nimmt. Oder eben das kleinere Zimmer. Um das zu verhindern, haben mein Mann und ich die winzigste Kammer (tatsächlich nur 8 m²) zu unserem Schlafzimmer gemacht. Dort steht nichts außer unserem Bett… in dem auch noch regelmäßig die Jungs schlafen, wenn sie nachts aufwachen.  Schreibtisch und Kleiderschrank haben wir ins Wohnzimmer gequetscht. Alles in allem: wenig Raum für große Leute bei uns.

Ganz allein bin ich am Tag nur wenige Stunden lang. Um 8.45 Uhr komme ich zurück vom Jungs-in-die-Schule-bringen, um 11.00 muss ich wieder los, um den rosaroten N abzuholen. Dazwischen liegen 135 Minuten, die mir gehören.

In meiner Zeit  mache ich erst einmal nicht viel anders als sonst. Ich trage auch dann Schlabberklamotten, wenn meine Kinder da sind. Ich lese in ihrer Anwesenheit, arbeite am Laptop, wasche das Geschirr gelegentlich nicht ab und mache etwa alle zwei Monate sogar ein Mittagsschläfchen. Meine Kinder sind schon ziemlich groß, besonders die Mädchen, und das eröffnet ungeahnte Freiheiten: ich bin nicht mehr dauernd auf Wache, sehr oft ist alles ruhig, und ich kann einfach mal so machen. Immer öfter übernehmen auch die Großen automatisch kleine Jobs, ohne dass ich fragen muss. Streitende Jungs trennen, Brote schmieren, bei den Hausaufgaben helfen. Aufgaben, die früher meinen ganzen Tag füllten und sich plötzlich auf gar nicht mehr so wenig Schultern verteilen. Sechs Leute, die sind nicht einfach nur mehr Arbeit, sondern auch ein ganz ansehnliches Team.

Komisch, dass mir im lauten, aber nicht unentspannten Alltag  trotzdem so einiges durch die Lappen geht.

Denn an manche Dinge erinnere ich mich einfach doch nur in Ruhe- nur dann, wenn niemand spricht. Wenn kein Fernseher und kein Radio dudelt, wenn sich niemand streitet oder in der Küche herumpoltert.

Zum Beispiel: Ukulele spielen. Seit ich diese 135 Minuten habe, übe ich wieder regelmäßig. Ich habe erst sehr spät mit dem Spielen angefangen- um genau zu sein, vor einem Jahr. Es ist das Entspannendste, was ich so tue, denn wenn ich Ukulele spiele, mache ich tatsächlich nichts anderes. Nur Ukulele spielen. Und das ist mal verdammt schön für eine unverbesserliche Zukunfts- und Vergangenheitsgrüblerin wie mich.


 Bin ich allein, mache ich auch mal wieder diese nervigen Gymnastikübungen, die sich dann trotzdem gut anfühlen. Und die ich sonst immer verschiebe, weil ich befürchte, lächerlich dabei auszusehen (ich denke, ich liege mit der Vermutung auch nicht ganz falsch). Aber wenn außer mir niemand da ist, rücke ich plötzlich in den Vordergrund, und mein innerer Kritiker hat weniger zu meckern.  

Auch laut Opern-CDs hören geht nur, wenn ich allein zu Hause bin, sonst kommt es bei etlichen Familienmitgliedern zu traumatischen Zusammenbrüchen. Ist niemand da außer mir, drehe ich den Rigoletto richtig auf. Was mich angenehm an meine bewegte Jugend in Berlin erinnert, und so einen Nostalgie- Moment im Alltag generiert. Auch schön.


 Ich kann mich in diesen Stunden auch ganz besonders gut denken hören. Und habe angefangen, diesen Blog zu führen- weil ich so gerne schreibe und es sooooo lange nicht mehr gemacht habe. Das ist meins, mein Ding, mein Spaß, meine Spielwiese. Und bei aller Liebe: schreiben ist etwas, das ich ganz besonders gut allein kann. Ständige Zwischenfragen nerven da nur: „Maaamaaaaa! Hast du mein gelbes Stickeralbum gesehen,  das ich aus Klopapier und Tesafilm gebastelt habe??? Ich habe es genau hier hingelegt…. Vor einem halben Jahr.“


Nein, es gibt Dinge, die muss eine Mutter einfach allein tun. Die neugewonnene Freiheit fühlt sich toll an: endlich bin ich mal wieder für ein Weilchen Nummer eins in meinem Kopf.

Und wenn N Schulschluss hat, sitze ich schon längst wieder auf der Bank neben seinem Klassenzimmer und freu‘ mich auf ihn.

Denn: nach einer Weile voll Stille sehne ich mich auch wieder. Nach fröhlichem Geschrei und „Warum?“-Debatten. Nach Hausaufgaben und Schulgeschichten. Nach Kuscheln und Kitzeln. Nach Herumgealber mit meinen großen Mädchen und gemeinschaftlichem Wäscheaufhängen. Dann mag ich nicht mehr allein sein, und freue mich auf den Alltag als Teil eines großen Teams.

Mit ab und zu ein bisschen Zeit allein zu Hause finde ich meine Familie eigentlich noch viel toller. Und wer hätte gedacht, dass das überhaupt möglich ist…


#mütteralleinzuhaus

Montag, 28. September 2015

Wochenende in Bildern- 26./27. September 2015

SAMSTAG

Samstagspost...

Kuschelmorgen

Frühstück!

Die leeren Umzugskisten sind weg, also kann die
Carrerabahn aufgebaut werden...

Zusammen spielen ist wichtiger als ein aufgeräumtes Zimmer, 
wie man sieht...


SONNTAG


Zum Freilichtmuseum...

R und ich sind die Familienhistoriker (E eigentlich auch, 
aber der muss die Jungs bespaßen)...

Morgen wieder Schule- Danke für den Hinweis X(...

Historischer Jahrmarkt

Die Großen dürfen auch mitfahren (hier E beim
Rundendrehen)

Und ab nach Hause...


Freitag, 25. September 2015

Die Böse Biene ist krank...

Da ist sie wieder: die erste Herbstgrippe. Wie immer passt sie farblich hervorragend zu meinen Gefühlen für den Herbst. Nein, meine Lieblingsjahreszeit ist das nicht. Wo andere Kastanienbasteleien, fesche Hütchen und duftenden Tee mit Kürbisaroma sehen, sehe ich vor allem zermatschte Blatthaufen, endloses Grau und intermittierenden Starkregen. Nein, danke.

Insofern macht auch diese Erkältung das Ganze nur ein wenig schlimmer, und rein theoretisch könnte man, kopfschmerzend und verrotzt, ja auch mal im Bett bleiben.

Wie gesagt- theoretisch.

Praktisch gesehen stand ich bisher immer dann, wenn ich einfach nur mal krank sein wollte, vor den Umdisponierungs-Problemen des Managers eines Großkonzerns... denn außer mir ist im Ernstfall meist keiner da. Pausenbrote schmieren? Kinder zur Schule bringen und abholen? Einkaufen, aufräumen, kochen, tägliche Wäsche?

Ich bin überrascht, dass wir da zum ersten Mal seit langem tatsächlich Lösungen finden, die immerhin zur Folge haben, dass ich heute das Haus nicht verlassen muss.

Brote schmiere auch heute ich, mit hämmerndem Schädel. Hinbringen fällt flach: mein Drittklässler ist bereit, seinen frisch eingeschulten Bruder bis in die Klasse zu begleiten. Abholen übernimmt E, der heute den Tag über Überstunden abbummelt und erst am Abend zum Dienst muss... daher erledigt er auch schnell noch die Einkäufe. Großes Tochterkind hat meine Grippe geerbt und vertreibt sich die Zeit damit, dass sie die Familienwäsche zusammenlegt (freiwillig- das ist so'n Hobby von ihr). Kleines Tochterkind macht eh traditionell alles alleine.

Das läuft deutlich besser als in der Vergangenheit und beweist mal wieder: bei aller Babysehnsucht, die mich periodisch überfällt, hat es doch auch seine Vorteile, wenn die Kinder größer werden. Mein Freiraum jedenfalls wächst mit ihnen, und trotz der Wehmut, mit der ich sie mir entfleuchen sehe... manchmal ist das gar nicht so schlecht.

In diesem Sinne: Gute Besserung!




Mittwoch, 23. September 2015

Die Böse Biene kann an ihren Kindern nicht herumdoktern...




Montagabend, gegen halb zehn.

Die Kinder müssten schon seit einer Weile DRINGEND ins Bett, sind aber wie gewöhnlich noch überhaupt nicht müde. Nachteulen-Gen, offensichtlich dominant vererbt.

Ich versuche gerade, den rosaroten N zu fassen, um ihm in den Schlafanzug zu helfen, da dringt ein spitzer Schrei aus einem unserer vielen Kinderzimmer. T steht vor mir, den Tränen nahe.

„Mama, da bohrt sich ein Käfer in meinen Bauch!!!“

Och nö. Da ist der Sommer doch nun gefühlt schon ein Weilchen vorbei, und die morgendliche Kühle hat uns die erste zarte Herbstgrippe beschert. Und nun das?

Ich schaue mir den Käfer an, ein Blick genügt: Zecke. Menno.

Andere Mütter würden nun die sorgsam im Medizinschränkchen verwahrte Zeckenzange zücken und das Problem in wenigen Sekunden beseitigen.

Andere Mütter. Ich nicht.

In solchen Momenten merke ich stets, was ich an meiner  pubertierenden Dreizehnjährigen habe: während ich noch im „Menno“-Stadium so dasitze und auf die zappelnde Zecke starre, hat sie schon ihren jüngsten Bruder in den Schlafanzug gestopft und dem älteren das Hemd vom Leib gerissen.

„Mama- ich mach die Jungs, du fährst mit T los!“

Sie weiß genau- Mutti kann das Ding nicht ziehen.

Ja, ich schäme mich. Nicht nur, weil ich vier Kinder in die Welt gesetzt habe und nun offensichtlich unfähig bin, die medizinische Basisversorgung an ihnen durchzuführen. Sondern erst recht, da ich gelernte Krankenschwester bin, mit Staatsexamen und allem Drum und Dran, und bei meinen Lieben regelmäßig versage.

Das war schon immer so. Leidet eins meiner Kinder, sind bei mir ruckzuck alle Schotten dicht, und es reicht allenfalls noch zum halbherzigen Beruhigen mit zittriger Stimme. Egal, wieviel Panik meine Kinder haben- ich habe garantiert noch mehr. Als R eine Infektion am kleinen Zeh hatte (sehr dekorativ vereitert, und schon beim Hingucken schmerzhaft) , wollte ich den ganzen Tag nur weinen, weil ich sie nicht leiden sehen konnte. Den Leberfleck an ihrem linken Oberschenkel, den der Arzt „in Ruhe beobachten“ will, beobachte ICH- ständig.

Als meinem Mann nach einer OP täglich der Verband gewechselt werden musste, meinte der Chirurg, das könne ich ja problemlos machen, ich hätt’s ja gelernt. Also quälte ich mich Tag und Tag durch das Procedere, pausenlos stammelnd: „Tut’s auch nicht weh? Ich tu‘ dir doch nicht weh, oder? Du würdest mir doch sofort sagen, wenn ich dir wehtun würde, nicht wahr?“

Ja, ich bin wahrscheinlich die mieseste Krankenschwester der Welt.

Und daher saß ich mal wieder nachts um elf mit meinem Kind im Bus, ohne BH und quasi schon im Schlafanzug, wenig überzeugende Beruhigungsversuche murmelnd. Von Scham zerfressen.

Die Arzthelferin in der Notfallpraxis war allerdings sehr freundlich, wirklich. Der Arzt guckte hingegen ein bisschen komisch, als ich ihm nach Erwähnung der Wanderröte reflexartig die Symptome der Lyme-Borreliose mit Differentialdiagnosen, Laborwerten und Therapieansätzen herunterbetete.

„Medizin studiert?“

„Krankenschwester.“ Flüstere ich betreten.

Er runzelt die Stirn. Na warum kann die dann nicht selbst…


DARUM. Wenn meine Kinder leiden, bin und bleibe ich eine medizinische Vollpfeife.

Und jetzt gehe ich zum Heulen in die Ecke da.


Tja. Wer zu feige ist, dem Kind die Zecke selbst zu ziehen, muss
nachts um elf mit dem Bus fahren.


PS: Dem Kind geht es gut, der Biss sieht prima aus, und wegen des späten Zubettgehens und all der Aufregung ist heute keine Schule. Soviel dazu.

Dienstag, 22. September 2015

Blogparade: Ich war fremd


Ich war fremd.

All die Jahre meiner Schulzeit hindurch. Es schien, als hätte jeder, der mir im Schulhaus begegnete, den Code geknackt- ich nicht. Alles Soziale war wie eine fremde Sprache für mich, und mein innerer Kritiker schrie laut: wie siehst du schon wieder aus? Was redest du für einen Mist? Himmel, bist du langweilig… schon als Siebenjährige fühlte ich mich eigentlich zu blöd, hatte vor jedem Satz, den ich sprach, Angst, er könnte hoffnungslos dämlich klingen. Also sparte ich mir viele, viele Sätze.

Mit 16 hatte ich meine erste Clique: Menschen wie ich, etwas schräger und deutlich weniger reich als die Mehrzahl der Kinder auf unserem altsprachlichen Gymnasium. Es blieb ein leises Gefühl der Sprachlosigkeit, ein Eindruck unüberwindbarer Gräben. Trotzdem: es entstand auch Nähe.  Ein Gefühl, dass ich noch gar nicht wirklich kannte. Kurz vor dem Abitur führte ich erstmals Regie im Schülertheater- und hatte einen Platz für mich gefunden, fühlte mich zugehörig, zumindest für eine Weile. Die „Hamlet“-Inszenierung machte alles leichter… trotzdem bekam ich in der Abizeitung neben meinem Foto einen anonymen Standard- Text, weil es keinen besten Freund gab, der ihn für mich hätte schreiben können.

Ich war fremd.

Nach dem Abi hatte ich genug- Schluss mit dem Fremdsein, alles musste anders werden. Ich ging nach Berlin, nahm mir vor, mich nicht mehr zu drücken, zu reden, auch wenn es wehtat, jede Einladung anzunehmen. Am zweiten Abend im evangelischen Wohnheim, als ich gerade den billigen Flickenteppich auf dem Boden ausgebreitet hatte, klingelte eine Kommilitonin an meiner Tür. Ich wäre ja neu, ob ich nicht Lust hätte auf einen Waldspaziergang. Alles in mir schrie Nein. Ich schluckte hart und sagte: Ja.

Der Nachmittag war schlimm, der innere Kritiker brüllte mir ins Ohr, aber es ging. Ich fing beim Studententheater an. Am ersten Abend, an dem es um die Auswahl des Stückes gehen sollte, betrat ich einen Raum, in dem etwa dreißig Menschen saßen, die ich nicht kannte, und denen ich erklären sollte, was ich vorhatte. Es fühlte sich an wie der Rausch kurz vor der Ohnmacht. Aber meine Stimme war lauter als die Brandung in meinem Kopf- es ging, auch das.

Nach einer Woche im Wohnheim  traf ich meine beste Freundin, die heute immer noch meine beste Freundin ist. Sie verstand schnell, wie ich tickte, und war doch selbst ganz anders. Sie baute mir die Brücken, die ich selbst nicht zu konstruieren vermochte. Manchmal saß ich da, als würde ich mich von weit weg beobachten- losgelöst von allen. Doch das Fremdsein tat längst nicht mehr so weh, und ich genoss die Veränderung, die kleine Pause von mir.

Ich verliebte mich. Als ich mit ihm in eine gemeinsame Wohnung zog, verließ der angehaltene Atem meine Lungen: Zuhause. Lange hatte ich dieses Gefühl nicht mehr gehabt.

Ich fing eine Krankenpflegeausbildung an und saß in einer Berufsschulklasse. Dort, nur dort, war plötzlich das Fremdsein weg. Wir feierten, lachten, lernten, und ich fand mich selbst. Kapierte, wie ich lernen musste, damit die Informationen im Kopf blieben, in dieser Gruppe, die mich stützte, die mich einfach nahm wie ich war. Ich akzeptierte, dass ich einfach merkwürdig war, und trug mich nach außen. Oft frage ich mich noch heute, was ich damals anders gemacht habe, in dieser Klasse, dieser wild zusammengewürfelten Gruppe von Menschen. Was hat damals funktioniert was sonst nicht funktionieren wollte? Ich weiß es nicht. Denn die Schüchternheit Fremden gegenüber blieb, und jeder Tag, den ich im praktischen Einsatz auf Station verbrachte, war eine Qual. Im Krankenhaus gehörte ich nirgendwo dazu, meine Brücken waren weg, nur daheim und in der Schule spürte ich, wie es war, nicht fremd zu sein. Schnell war klar: der richtige Job für mich ist das nicht.

Ich war fremd.

Ich heiratete, bekam Kinder. All die kleinen Menschen um mich herum, ich hatte kaum Zeit, dem inneren Kritiker zuzuhören. Pekip, Müttergruppe, Kinderkreise… ich lernte, zu verbergen, manchmal sogar zu vergessen, dass ich fremd war, dass es mir niemals leichtfiel, dass Smalltalk wie Raketenwissenschaft für mich blieb. Mein Platz war klar umrissen, meine Position sicher, das gab mir Halt. Abends dachte ich an den kommenden Tag, an die unbekannten Menschen, und fürchtete mich ein wenig.

Ich war fremd.

Mein Mann beendete sein Studium, und wir zogen von Berlin in eine Kleinstadt. 25.000 Einwohner. Nicht zu klein eigentlich, dennoch veränderten sich die sozialen Regeln, und ich kam nicht mehr so ganz mit. Flüchtete immer häufiger mit den Kindern in die nächste größere Stadt, die Anonymität, in deren Schutz ich mich frei fühlte. Überall sonst spürte ich Erwartungen, die ich einfach nicht erfüllen konnte.

Ich war fremd.

Nach nur zwei Jahren ohne Heimatgefühl, folgte der Umzug in ein Dorf an der Ostsee. Vom Tourismus geprägt, nur 2400 Einwohner. Fremde wie uns betrachtete man argwöhnisch. Die meisten Mütter, die ihre Kinder morgens mit mir in den Kindergarten brachten, waren selbst als Kleinkinder dorthin gegangen.

Ich war fremd.

Ich fand die Regeln unbegreiflich. Im Dorf kannte sich jeder, man sprach über uns, nicht mit uns, dachte sich eigene Theorien aus, wenn wir den Regeln nicht folgten. Sechs Jahre haben wir dort gelebt, und bis zum Schluss grüßte mich nur ein einziger Nachbar: ein Galerist, zugezogen wie wir. Ich erzählte niemandem, wie es in mir aussah, flüchtete mich in die Online-Welt, wo ich den Stecker ziehen konnte, wenn es mir zu viel war. Immer mehr. Irgendwann  war das Fremdsein wie eine Wunde, die nicht heilen wollte, und der Schmerz füllte meine Gedanken, jeden Tag, jede Stunde. Für jegliches Gespräch fehlte mir die Kraft, ich hatte ja eh nie wirklich gewusst, wie das geht, die Tage wurden dumpf und monoton. Ich blieb lieber Zuhause und kuschelte mich an meine Kinder.

Ich war fremd.

Der Umzug kam, bevor mein ganzes Kartenhaus zusammenbrach. Zum Glück. Nun bin ich zurück in der Stadt, in der ich zur Schule gegangen bin, doch ich bin kein Schüler mehr. Die Anonymität der 250.000 Seelen um mich herum tut mir gut. Ich fühle mich nicht mehr ständig beobachtet, wenn ich die Straßen entlanggehe. Das Gefühl, auf eine bestimmte Art sein zu müssen, verschwindet ganz langsam. Ich heile, in Babyschritten, aber jeden Tag ein winziges bisschen mehr. Nicht zuletzt durch meine Schwester: weil sie mir einen Ort zum Zusammenrollen gibt, außerhalb meiner eigenen, engen  vier Wände. Weil unsere Gespräche viel, viel  mehr geworden sind als das Übliche:  Was machen die Kinder so? Weil ich mich bei ihr nicht so fühle wie einer, der besser die Klappe gehalten hätte.

Manchmal, wenn ich mich zurücklehne und mir einen Augenblick das Jetzt anschaue, habe ich es beinahe auf der Zunge, dieses Gefühl, zuhause zu sein, angekommen, zugehörig. Doch das Fremdsein ist stark in mir, und das war es immer. Ich spüre die Hand des inneren Kritikers auf meiner Schulter auch wenn wir beide schweigen, und sobald ich rede, wird seine Stimme lauter als meine. Dennoch: nach all den Jahren bin ich bereit, mich vom Kommenden überraschen zu lassen. Ich kann darauf warten, mich vielleicht eines Tages wieder daheim zu fühlen, und diese Stadt um mich herum ist noch frisch und neu für mich wie ein Schuh, den ich in aller Ruhe einlaufen muss.

Ich kann warten.

Denn ich bin es gewohnt.

Ich bin fremd.

Dieser Text ist mein Beitrag zur Blogparade von LandLebenBlog

Montag, 21. September 2015

Wochenende in Bildern- 19./20. September 2015

Samstag


Mit kleinen Hunden kuscheln

Musik sehen

Selbstgebackene Spitzenpizza

Lieblingsfutter!

Schlemmereien

Mädchenzeit

Medien...


Sonntag


Regenmorgen

Familienrat

Just Dance

Schönes Gespräch mit meiner besten Freundin

Nachmittagsausflug

Fördespaziergang

Tiefer Blick in die Eiskarte

Auch im Herbst noch lecker!